Umbrien, das grüne Herz Italiens, ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit tiefen Wurzeln in der Geschichte
Zypressenalleen und schmale Landstraßen, die hügelauf und hügelab führen, enden in Bilderbuchstädtchen und Bergdörfern, wo wehrhafte Mauern zimtfarbene Häuserhaufen umzingeln. Auf der Weiterfahrt gehen einem die Augen über: Silbrig leuchtende Olivenhaine rascheln im Wind, daneben strotzen tiefgrüne Äcker, Mohn-, Gemüse- und Getreidefelder. Laubwald, soweit das Auge reicht. Eine harmonische Kulturlandschaft, die das Herz berührt und neugierig macht.
Wassermühle im Bilderbuchstädtchen Bevagna
Kaum zu glauben, dass Umbrien für so viele Jahre die weniger geliebte Stiefschwester der Toskana war. Im Gegensatz zu seinen Nachbarn hat Umbrien keinen Zugang zum Meer. Doch wer einmal hier war und den spröden Charme der etruskischen Festungsdörfer kennengelernt hat, kommt wieder. In Städte wie das auf aprikosenfarbene Tuffsteinfelsen gebaute Orvieto, die lebendige Studentenstadt Perugia oder Todi, von der man sagt, sie sei die liebens- und lebenswerteste Stadt Italiens.
Die reichverzierte Kuppel der Chiesa di San Michele Archangelo in Bevagna
Für die Nachwelt erhalten: die ehemalige Apotheke von Bevagna
Auf der Suche nach einem Lieblingsort, landen Reisende häufig in Bevagna. Das Städtchen liegt nicht wie viele andere auf einem Hügel, sondern schmiegt sich in eine Talmulde. Hier findet man alles: mittelalterliche Gassen, Stadtmauern, Torbögen, Kirchen und sogar einen romanischen Mühlbach mit Mühle. Und: In einem Ort, der kaum größer als ein Dorf ist, strahlt der stille Glanz eines Puppentheater-ähnlichen Opernhauses. Das Relikt von einem kuriosen Theaterboom am Ende des 18.Jahrhunderts, als kleinste Städtchen auf eigene Schauspielhäuser bestanden, die teatri all’italiana.
Die historische Färberei im Kunstgewerbe-Zentrum von Bevagna
Alexandra beim traditionellen Kerzenziehen in der Cereria
In Bevagna scheint das Mittelalter allgegenwärtig. Nur wenige Schritte von der zentralen Piazza Filippo Silvestri gibt die Cereria, wo seit Hunderten Jahren aus heißem Bienenwachs Kerzen gedreht werden, ein gutes Beispiel für einheimisches Kunsthandwerk. Um wertvolle Orte wie diesen und viele andere, über Generationen familiengeführte Betriebe aller Art zu bewahren und zu fördern, wurde 2022 mit Hilfe der Hoteliersfamilie Babini die „The Place of Wonders Foundation“ gegründet.
Im Borgo dei Conti verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart.
Ihr Anliegen ist, kleine traditionelle Kunsthandswerksbetriebe durch Spenden zu unterstützen, für Besucher zu öffnen, Workshops zu organisieren.
Als Initiatoren der Hospitality Experience-Kollektion betreibt die Familie Babini außer dem Londra Palace in Venedig das City-Hideaway The Place in Florenz und das Borgo dei Conti Resort in Umbrien.
Familienwappen der Conte di Montepetriolo
Jagdszenen in der Suite der Contessa
Ich war vor Ort und hatte die Möglichkeit, das Borgo dei Conti zu erleben, seine Magie zu spüren und einige Kunsthandwerker in der Gegend kennenzulernen. Später reiste ich nach Florenz und besuchte das Boutiquehotel The Place, einen weiteren Unterstützer der Fondazione.

Zum Borgo dei Conti gehören 40 Hektar Parklandschaft

General Manager Giancarlo Rizzi
Die neue Geschichte des Borgo dei Conti, einer Festungsanlage aus dem 13. Jahrhundert, begann, als Lemmo Rossi Scotti, der Conte di Montepetriolo, das trutzige Gebäude-Ensemble in einen rustikalen Landsitz verwandelte. Rossi Scotti, der als Porträtmaler der feinen Gesellschaft von Perugia bekannt war, legte später die Gärten an sowie eine Limonaia im neogotischen Stil. In den Jahren danach wechselte der ländliche Rückzugsort mehrfach den Besitzer. Seine Sternstunde schlug, als der Besitz 2003 in die Familie Babini überging. Mit dem Vorsatz, das Borgo in eins der glamourösesten Resorts Umbriens zu verwandeln, engagierten sie die Mailänder Interior-Experten Spagnulo & Partners für den neuen Look.
Eine schöne Tradition: Cocktail Time im Borgo dei Conti
Nonplusultra der Zimmer und Suiten ist die Conti Suite, mit farbigen Deckenfresken in den getrennten Schlafgemächern für sie und ihn, einer freistehenden Kupferwanne und einem offenen Kamin im Salon. In allen Suiten finden die Gäste Nespresso-Maschinen und kostenlose nichtalkoholische Getränke in der Minibar.
Die Seele des Hauses ist seit Kurzem der aus Como stammende General Manager Giancarlo Rizzi. Immer an der Seite seiner Gäste, immer darum bemüht, das kulturelle Erbe des Landes so intensiv wie möglich mit der DNA des Borgo zu verknüpfen. Seien es die Stoffe der Kopfkissen aus dem Atelier Giuditta Brozzetti, die hangedrehten Kerzen der Cereria oder der Einsatz vieler einheimischer Handwerker.
Küchenchef Emanuele Mazzetta verwendet marktfrische, regionale Produkte.
Köstlich – mariniertes Forellenfilet, Rote-Beete-Carpaccio in Honig-Senf-Dressing
Frühstück und Abendessen werden bei schönem Wetter auf der lauschigen Terrasse des Fine-Dining-Lokals Cedri serviert. Die ehemalige Limonaia ist ein Ort zum Verweilen. Küchenchef Emanuele Mazzetta offeriert wechselnde Tasting-Menüs, eine große Auswahl Pasta und Risotto, Fleisch und Fisch gibt es à-laCarte. Die lässige Variante: In der Osteria regionale Spezialitäten wie Pasta mit weißen Trüffeln aus der Region auf handbemalten Tellern von Gialletti serviert. Die Kerzen stammen aus der historischen Cereria Medievale im Nachbarstädtchen Bevagna.
Wann immer das Wetter es erlaubt, wird der Tisch draußen gedeckt.
Umbrien ist eine Art deftiges Schlaraffenland. Die Küche ist bodenständig, Wachteln, Wildtäubchen, Perlhühner oder Wildschwein werden am liebsten auf dem Grill zubereitet. Von November bis März ist Trüffelsaison. Aus Umbrien stammte angeblich der teuerste Trüffel der Welt. Sotheby’s erzielte im Dezember 2024 bei einer Versteigerung in New York für einen 1,89 Kilo schweren weißen Trüffel aus der Region immerhin 50 000 Euro.
Fine-Dining: Kaninchen aus Ischia mit Tortellini und Fenchel-Pesto
Ein Großteil der Weine stammt aus der einheimischen Kellerei Cenci
DIE PERFEKTE KOMBI: ZWEI EXTRA-TAGE IN FLORENZ
Besser geht’s nicht: ein Fest der Sinne in der ländlichen Idylle Umbriens und am Ende der Reise ein kurzes, aber tiefes Eintauchen in die kulturelle Vielfalt der toskanischen Hauptstadt. Place to be ist das Schwesterhotel des Borgo dei Conti, das stylische City-Hideaway The Place am Rand der Piazza Santa Maria Novella.
Mit Liebe arrangiert: Dining Table im Boutiquehotel The Place
Gastgeber Claudio Meli mit dem Signature Duft des Hauses
Claudio Meli, seit 2023 charismatischer Gastgeber von The Place, gehört zu den leidenschaftlichen Unterstützern der Foundation. „Wir haben zwar keine geschnürten Packages im Programm“, erklärt er, „aber wir begleiten unsere Gäste regelmäßig zu Ateliers und Workshops in und um Florenz.“ Ganz besonders empfiehlt er den Stadtteil San Frediano, wo besonders viele Kunsthandwerker zu Hause sind. Sein Favorit: Le Arti Orafe, wo Gio Carbone seit vielen Jahren eine private Ausbildungsstätte für junge Goldschmiede leitet.
Suite mit Bilderbuchblick auf die Piazza Santa Maria Novella
Sobald man das Hotel betritt, fühlt man sich wie bei Freunden zu Hause. Das beginnt beim eklektischen, in kräftigen Farben inszenierten Prunk-Interieur, über die wunderschönen Blumen-Arrangements bis zum aufmerksamen Service. Sogar das Restaurant „The Kitchen & The Bar“ wirkt wie ein großzügiges privates Esszimmer. Zwischen Kultur-Programm und Shopping-Tripp stärkt man sich hier mit leichten Speisen wie Ceviche vom Seebarsch oder hausgemachten Tortellini, mit Oktopus und Kartoffeln gefüllt.
ADRESSEN & INFOS
The Place of Wonders Foundation
Kunsthandwerksbetrieb, die der Stifung angeschlossen sind, empfangen, zum Teil nur auf Anmeldung, Besucher. Vor Ort kann man einkaufen, einige der Produkte werden speziell für die Fondazione hergestellt.
Borgo dei Conti
ADRESSEN IN UMBRIEN
Borgo dei Conti Resort
Das von Park und Wäldern umgebene Resort findet man am Rand der Strada Montepetriolo. Es ist Mitglied der handverlesenen Kollektion von Relais & Chateaux.
https://borgodeicontiresort.com
Bevagna
Cereria Medievale
Seit 1250 werden an dieser Stelle Kerzen aus Bienenwachs gedreht. Für den Beruf des gibt es keine spezielle Ausbildung. Nur Leidenschaft, Geduld und Hingabe. Die Ergebnisse kann man in der Werkstatt kaufen.
@cereria_medievale
Teatro Francesco Torti
Theater- und Musical-Saison ist von Januar bis April. Die wunderschöne deko ist schon den Besuch wert.
Tickets über https://vivaticket.com
San Biagio della Valle,Marciano
Azienda Agricola Giovanni Cenci
Wer das Weingut besucht, kann sich vorher für ein Tasting anmelden. Die Weine werden auf Wunsch nach Hause geliefert.
Deruta
Ceramiche Artistichi Gialletti Giulio
Hier entsteht seit 1959 feinste Majolika-Keramik, handbemalt nach traditionellen Mustern.
https://ceramichegialletti.com
Atelier Unter einer Kirchenkuppel: das Atelier von Giuditta Brozzetti
Marta Cucchia produziert moderne Textilien nach traditioneller Methode
Perugia
Atelier Giuditta Brozzetti
Marta Cucchia führt die tradionelle Weberei in vierter Generation. Ihr magischer Arbeitsplatz: die Kirche San Francisco delle Donne. An den Webstühlen aus dem 19. Jahrhundert entsteht Textilien in zeitgemäßen Mustern. Mit Hilfe der Fondazione kann sie vier Mitarbeiter ausbilden.
Studio Moretti Caselli
Glasmalerei in der fünften Generation. Werkstatt und Museum.
https://studiomoretticaselli.it
Blick von der Café-Terrasse des The Place auf die Piazza Santa Maria Novella
ADRESSEN IN FLORENZ
The Place
Das bezaubernde City-Hideaway an der Piazza Santa Maria Novella hat nur 20, ganz individuell gestaltete Zimmer und Suiten. Es ist Mitglied von The Leading Hotels oft he World.
Le Arti Orafe
Gio Carbone leitet seit den 1980er Jahren den privaten Ausbildungsort für Goldschmiede. Besucher sind willkommen.
Wäscheteile wie filigrane Kunstwerke: bei Flora Lastraioli
Letizia Traversari bei der Bearbeitung eines Mikromosaiks.
Fratelli Traversari
Seit 1870 betreibt die Familie die Kunst des Mikromosaiks, wie Bilder oder Einlegearbeiten in Glas und Stein.
Flora Lastraioli
Seit 1932 ist der Familienbetrieb die beste Adresse für Seidenwäsche, feinste Brautwäsche, erotische Wäsche in schwarzer Spitze mit halterlosen Strümpfen, Pyamas und Nachthemden.


























